«Auf dem Weg zu einem immer grösseren Wir». Predigt des Bischofs zum Tag der Völker vom 26. September 2021

Am Sonntag, 26. September 2021 hat Bischof Bonemain in der Kirche St. Felix und Regula in Zürich mit Vertreterinnen und Vertretern der anderssprachigen Gemeinden und Flüchtlingen einen Gottesdienst zum Tag der Migranten gefeiert. Hier ist seine Predigt zum Motto «Auf dem Weg zu einem immer grösseren Wir» nachzulesen.

Liebe Mitbrüder
Liebe Schwestern und Brüder

Wir sind heute hier versammelt, um anlässlich des „Tages der Völker“ gemeinsam Eucharistie zu feiern. Ich verstehe diese Bezeichnung, dennoch spreche ich aus der Perspektive des Glaubens lieber vom „Tag des Volkes“. Warum? Für Gott sind alle Menschen seine geliebten Töchter und Söhne; für ihn gibt es nur eine Familie, ein Volk, eine Sprache, eine Farbe und eineHeimat. Alle sind wir in ihm beheimatet. Selbstverständlich darf und soll die eigene Identität der einzelnen Völker weiterhin bestehen bleiben und wir alle begrüssen die bereichernde Vielfalt der verschiedenen Völker, Nationen, Sprachen und Kulturen. In der Kirche haben wir alle aber eine gemeinsame Heimat, in der alle Nationen und Kulturen bedingungslos  willkommen sind. Dies war und ist die konstante Botschaft Jesu. Er hat sie mehrfach wiederholt ausgedrückt und wir haben es auch im heutigen Evangelium gehört: „Denn wer nicht gegen uns ist, der ist für uns“ (Mk 9,40). Er distanziert sich damit gegenüber jeglicher Ausgrenzung und jeglichem Ausschluss.

Seine Mahnung hinsichtlich möglicher Ärgernisse ist massiv und ernst zu nehmen. Jesus spricht über die Möglichkeit, dass unsere Hand, unser Fuss und unser Auge ein Ärgernis darstellten können. Das geschieht, wenn wir mit unserer Hand fremde Menschen auf Abstand halten, statt ihnen die Hand zu reichen. Wenn wir unseren Schritt von andersdenkenden Menschen weglenken, statt dass wir auf sie zugehen. Wenn wir jemanden lieblos, kritisch oder verurteilend anschauen, weil dieser Mensch aus einem anderen Land stammt. So fragen wir uns heute: Stellen wir alle unsere Fähigkeiten, unsere Gefühle und unser Wirken in den Dienst der Geschwisterlichkeit?

Die Lehre des Apostels Jakobus konfrontiert uns mit einem weiteren Massstab des christlichen Verhaltens. Der Apostel spricht von der Seuche der Gier und der Ausbeutung anderer Menschen. Leider haben viele Migrantinnen und Migranten in unserem Land die Erfahrung von ungerechter Behandlung machen müssen.

Die Schweiz lebt in grossem Wohlstand und das auch dank des unermüdlichen Einsatzes und der Arbeit vieler Menschen, die aus anderen Ländern eingewandert sind. Gerade als Christinnen und Christen sollten wir dementsprechend dankbar sein und uns für Gerechtigkeit und Solidarität einsetzen. Alle, die am Aufbau unserer Heimat mitarbeiten, sollen auch am Wohlstand des Landes teilhaben.

Umgekehrt gilt es aber auch, kritisch hinzuschauen und zu fragen. Handeln wir als Menschen, die aus verschiedenen Ländern hierhergekommen sind, immer gerecht und solidarisch? Oder sind wir gelegentlich in Versuchung, das Land, welches Heimat für uns geworden ist, zu hintergehen und auszunutzen?

Vielfalt ist Reichtum! Tragen wir dem Sorge! Niemand von uns darf sich mit elitärem Denken über andere erheben oder sich in einem eigenen abgeschlossenen Kreis abkapseln. Der Glaube öffnet uns die Augen und das Herz, in jedem Menschen, in jeder Frau und jedem Mann die Botschaft Gottes zu entdecken.

Wir haben es heute im Bibeltext auch gehört:  Damals, als beim Offenbarungszelt der Geist Gottes auf die siebzig Ältesten herabkam, waren zwei nicht anwesend. Sie waren getrennt von den anderen zuhause geblieben. Doch auch sie bekamen, gleich wie alle anderen, die Fähigkeit prophetisch zu reden. Josua wollte dies verhindern. Die Reaktion von Mose war herrlich, grossherzig, ich würde meinen, durch und durch christlich: „Wenn nur das ganze Volk des Herrn zu Propheten würde, wenn nur der Herr seinen Geist auf sie alle legte!“ (Num 11,29).

Liebe Schwestern und Brüder in Christus, das ist doch, was Jesus uns sagen will: es gibt nur ein Volk, in dem alle die gleiche Würde haben, ein Volk, in dem alle etwas zu sagen, ja, das Sagen haben.

Als Bischof frage ich mich hier und heute: Bin ich bereit, jedes Wort eines Mitmenschen als ein prophetisches Wort ernstzunehmen? Bin ich überzeugt, dass wir alle zusammen ein einziges Volk bilden, das Volk der Kinder Gottes?

Das verleitet mich dazu ein Gebet zu formulieren: Herr Jesus Christus, gib mir starke Hände, damit ich einer grösseren Zahl von Menschen meine Hand reichen kann. Gib mir, Herr, flinke Füsse, damit ich noch schneller und entschiedener zu allen Menschen eilen kann, um sie geschwisterlich zu erreichen. Gib mir, Herr, offene Augen, Augen der Liebe, damit ich jeden Menschen, so liebevoll und einfühlsam wahrnehme, wie du ihn anblickst. Nimm von mir, Herr, meinen kurzsichtigen Blick und gib mir deinen allumfassenden, liebenden Blick. Amen.

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